Ja, eine Einblasdämmung lässt sich nachträglich in bestehende Gebäude einbauen. Das Verfahren eignet sich besonders gut für Hohlräume in Wänden, Dächern und Decken, die bereits vorhanden sind und ohne aufwendige Baumaßnahmen befüllt werden können. Die folgenden Abschnitte erklären, wo die Methode funktioniert, was sie kostet und wann sie sich wirklich lohnt.
Welche Gebäudeteile lassen sich mit Einblasdämmung nachträglich dämmen?
Mit Einblasdämmung lassen sich vor allem zweischalige Außenwände, Dachschrägen, Zwischensparrenräume, Kriechkeller und nicht ausgebaute Dachböden nachträglich dämmen. Voraussetzung ist jeweils ein vorhandener Hohlraum, in den das Dämmmaterial eingeblasen werden kann, ohne die bestehende Konstruktion aufzureißen.
Bei zweischaligen Außenwänden, wie sie in vielen Häusern aus den 1950er bis 1980er Jahren vorkommen, befindet sich zwischen der Innen- und der Außenschale ein Luftspalt von drei bis sieben Zentimetern. Dieser Spalt lässt sich durch kleine Bohrlöcher von außen oder innen befüllen. Das ist deutlich weniger aufwendig als eine klassische Außendämmung mit Wärmedämmverbundsystem.
Dachschrägen und Zwischensparrenräume eignen sich ebenfalls gut, sofern die Sparren tief genug sind und keine Dampfbremse fehlt. Auch Holzbalkendecken über unbeheizten Kellern oder Kriechkellern lassen sich von unten oder oben mit Einblasdämmung füllen. Nicht ausgebaute Dachböden sind sogar der einfachste Fall: Hier wird das Material einfach auf die oberste Geschossdecke aufgeblasen.
Wie läuft der Einbau einer Einblasdämmung ab?
Der Einbau einer Einblasdämmung läuft in der Regel in wenigen Stunden ab. Fachleute bohren kleine Löcher in die Außenwand, das Dach oder die Decke, führen einen Schlauch ein und blasen das Dämmmaterial unter Druck in den Hohlraum. Anschließend werden die Bohrlöcher verschlossen und verputzt oder versiegelt.
Vor dem Einbau prüft ein Fachbetrieb den Zustand des Hohlraums: Gibt es Feuchtigkeit, Schimmel oder Schädlingsbefall, muss das zuerst behoben werden. Auch die genaue Tiefe und Breite des Hohlraums werden gemessen, damit die richtige Menge Dämmmaterial berechnet werden kann.
Während des Einblasens wird der Füllstand mit einer Sonde kontrolliert, um sicherzustellen, dass keine Lücken entstehen. Bei Außenwänden arbeiten die Fachleute oft von außen, sodass der Wohnbetrieb kaum gestört wird. Die Bohrlöcher sind nach der Arbeit kaum sichtbar, besonders wenn der Außenputz passend angeglichen wird. Insgesamt ist der Eingriff deutlich weniger invasiv als andere Dämmmaßnahmen.
Welche Dämmmaterialien werden bei der Einblasdämmung verwendet?
Bei der Einblasdämmung kommen vor allem Zellulose, Mineralwolle, Perlite und Polyurethan-Granulat zum Einsatz. Die Wahl des Materials hängt vom Einsatzort, der gewünschten Wärmedämmleistung und dem Budget ab.
Zellulose aus recyceltem Zeitungspapier ist das am häufigsten verwendete Material. Es ist günstig, gut verarbeitbar und hat einen vergleichsweise niedrigen ökologischen Fußabdruck. Zellulose reguliert außerdem Feuchtigkeit und wirkt schallabsorbierend, was sie besonders für Wohngebäude attraktiv macht.
Mineralwolle in Granulatform bietet sehr gute Brandschutzeigenschaften und eignet sich gut für Bereiche mit erhöhten Brandschutzanforderungen. Perlite, ein vulkanisches Gestein, wird vor allem in Hohlräumen eingesetzt, in denen Feuchtigkeit ein Thema ist, da es wasserabweisend ist. Polyurethan-Granulat hat die höchste Dämmwirkung pro Zentimeter, ist aber teurer und weniger ökologisch als die anderen Optionen.
Was kostet eine nachträgliche Einblasdämmung?
Die Kosten für eine nachträgliche Einblasdämmung liegen je nach Material, Gebäudegröße und Einbauort zwischen 20 und 60 Euro pro Quadratmeter. Für ein Einfamilienhaus mit zweischaliger Außenwand sind Gesamtkosten zwischen 3.000 und 8.000 Euro realistisch.
Die genauen Kosten hängen von mehreren Faktoren ab: der Zugänglichkeit des Hohlraums, der Dicke der zu dämmenden Fläche, dem gewählten Material und dem regionalen Preisniveau. Zellulose ist in der Regel günstiger als Mineralwolle oder Polyurethan. Wenn der Außenputz nach dem Bohren aufwendig ausgebessert werden muss, erhöht das den Preis ebenfalls.
Im Vergleich zu anderen Dämmmaßnahmen ist die Einblasdämmung aber oft deutlich wirtschaftlicher. Eine klassische Außendämmung mit Wärmedämmverbundsystem kostet schnell das Zwei- bis Dreifache. Wer die Energieeinsparungen über die Jahre einrechnet, amortisiert die Investition in vielen Fällen innerhalb von zehn bis fünfzehn Jahren.
Welche Förderungen gibt es für die Einblasdämmung?
Die Einblasdämmung wird über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gefördert, wenn sie von einem zugelassenen Fachbetrieb ausgeführt wird und bestimmte technische Mindestanforderungen erfüllt. Die Förderung erfolgt über zinsgünstige Kredite oder Zuschüsse der KfW und des BAFA.
Im Jahr 2026 beträgt der Grundzuschuss für Einzelmaßnahmen wie die Dämmung von Außenwänden oder Dachflächen 15 Prozent der förderfähigen Kosten. Wer zusätzlich einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) vorlegt, erhält einen Bonus von fünf Prozentpunkten. Das bedeutet: Mit einem iSFP können bis zu 20 Prozent der Kosten gefördert werden, bei einem maximalen Förderbetrag von 30.000 Euro pro Wohneinheit für Einzelmaßnahmen.
Wichtig ist, dass der Förderantrag vor Beginn der Maßnahme gestellt wird. Wer erst baut und dann einen Antrag einreicht, geht leer aus. Ein zertifizierter Energieeffizienzexperte muss die Maßnahme außerdem begleiten und bestätigen, dass die technischen Anforderungen eingehalten werden.
Wann lohnt sich die Einblasdämmung nicht?
Die Einblasdämmung lohnt sich nicht, wenn der vorhandene Hohlraum zu schmal ist, Feuchtigkeit oder Schimmel vorhanden sind oder die Konstruktion keinen gleichmäßigen Hohlraum bietet. In diesen Fällen ist das Ergebnis entweder technisch unzureichend oder der Aufwand für die Vorarbeiten übersteigt den Nutzen.
Bei massiven einschaligen Außenwänden ohne Luftspalt ist die Einblasdämmung schlicht nicht möglich. Hier braucht es eine Innendämmung oder eine Außendämmung, was aufwendiger und teurer ist. Auch bei sehr alten Gebäuden mit unregelmäßigen Hohlräumen oder eingebetteten Holzbalken kann das Material nicht gleichmäßig verteilt werden.
Feuchtigkeit ist der häufigste Grund, warum eine Einblasdämmung scheitert oder später Probleme verursacht. Wenn Wasser in den Hohlraum eindringt, verliert das Dämmmaterial seine Wirkung und begünstigt Schimmelbildung. Deshalb sollte vor jeder Maßnahme eine gründliche Feuchtigkeitsprüfung stattfinden. Wer diesen Schritt überspringt, riskiert, dass die Investition langfristig keinen Nutzen bringt.
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